Selbstfreundschaft

Wie das Leben leichter wird

Insel Verlag, Berlin 2018, 2. Auflage 2018

121 Seiten, gebunden, 10 Euro

ISBN 978-3-458-17750-0

SPIEGEL-Bestsellerliste Platz 12 am 28. April 2018

Auch als e-book und Hörbuch, Sprecher: Jürgen von der Lippe, Audio-Verlag 2018

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Kurzinformationen

Mit seinem neuen Buch führt Wilhelm Schmid die Überlegungen in seinem Bestseller Gelassenheit (2014) fort. Die Basis der Gelassenheit ist das mit sich befreundete Selbst. Die freundliche, verlässliche Beziehung zu sich begründet ein Selbstvertrauen, das von Dauer sein kann. Mit der Selbstfreundschaft wird das Leben leichter, denn sie ermöglicht, besser mit sich umzugehen und damit umgänglicher auch für Andere zu werden, eine Alternative zum grassierenden Narzissmus, der immer deutlicher zum Zeichen der Zeit wird.

 

Ermutigen kann die Idee der Selbstfreundschaft alle, die sich erschöpft und ausgebrannt fühlen. Balsam kann sie für diejenigen sein, für die das Selbst zur Wunde geworden ist, aufgerissen von Anderen, vom Leben, von unguten Verhältnissen. Eine Perspektive kann die Stärkung der Selbstbeziehung denen bieten, die mit sich allein zurechtkommen müssen und daran nichts ändern können oder wollen. Nicht zuletzt kann sie Menschen weiterhelfen, die nur Selbstverzicht und Pflichterfüllung kennengelernt haben und es als Befreiung ihres Lebens empfinden, sich auch um sich selbst kümmern zu dürfen, ohne sich den Gefahren einer übertriebenen Selbstliebe aussetzen zu müssen.

 

Selbstliebe war gestern: Wilhelm Schmid sucht in seinem neuen Buch nach einer Alternative zum Narzissmus. 

Man muss sich selbst lieben: Diese gebetsmühlenartig wiederholte Formel ist von allen Seiten zu hören. War vor einigen Jahrzehnten noch jede Selbstliebe verpönt, ist sie mittlerweile zum guten Ton geworden. Wilhelm Schmid misstraut ihr. Sie ist für ihn die schiefe Ebene, auf der Menschen in den maßlosen Narzissmus gleiten, den zugleich alle beklagen. Zu viele folgen privat wie politisch dem Motto: Liebe dich selbst und es ist egal, was du kaputt machst.

 

Selbstfreundschaft heißt die Alternative, die Schmid in seinem neuen Buch vorstellt. Schon bei den Beziehungen zwischen zweien sind Liebe und Freundschaft nicht dasselbe, so auch bei der Beziehung zu sich selbst. Der Selbstfreund neigt weniger zu leidenschaftlichen Übertreibungen und kann auch auf Distanz zu sich gehen. Er will nicht unentwegt nur auf sich blicken und nur von sich selbst reden, das Problem, unter dem viele Begegnungen und Beziehungen heute leiden. Er hegt keine gottgleichen Erwartungen an sich, wie sie im „Transhumanismus“ neu aufleben. Der Humanismus besteht für ihn weiterhin darin, jedem Menschen die Chance zu geben, seine besten Möglichkeiten zu verwirklichen. Die Selbstoptimierung in diesem Sinne hat nichts zu tun mit der Selbstperfektionierung, mit der sie oft verwechselt wird.

 

Schmid gibt in seinem Buch eine Fülle von Anregungen, wie Selbstfreundschaft zu erreichen ist: Von der Stärkung der Sinnlichkeit über die Aneignung einer „Muschelkompetenz“ der Seele bis hin zu „Selfietechniken“ wie der Fähigkeit zur Selbstreflexion und Selbstkritik. Die Definition der Ecken und Kanten des eigenen Selbst soll eine Integrität ermöglichen, die mehr Gemeinschaft mit sich und Anderen möglich macht als eine ausschließende Identität. So wird es möglich, sich selbst „schön“ zu finden und ein erfülltes Leben zu führen.

 

Stehen dem nicht ungünstige Verhältnisse entgegen, in denen Menschen etwa von neuen Medien gegängelt werden? Aber die Menschen, so Schmid, lieben es, nicht zu tun, was von ihnen erwartet wird. Kein System wird diesen Eigensinn je aushebeln können. Offen ist nur, ob die Form des Ich dabei dieselbe bleiben wird. Es beginnt an zu viel Ich zu leiden und zu verzweifeln. Das selbstbestimmte Leben fällt ihm zur Last. Der Möglichkeiten, die es mit enormen Anstrengungen gewonnen hat, wird es überdrüssig. Die große Form, zu der es im Ichismus der fortgeschrittenen Moderne aufgelaufen ist, vermag es nicht mehr auszufüllen. Im Schatten des aufgeblasenen Narzissmus, der als letztes Aufbäumen des alten Ich verstanden werden kann, kündigt eine Ich-Erschöpfung bereits dessen Untergang an. Was zunächst nur Einzelne betrifft, droht im Laufe des 21. Jahrhunderts zur Epidemie werden.

 

Das Ich hat eine Vergangenheit, aber keine Zukunft mehr, zumindest nicht in der bisherigen Form. Anstelle des selbstherrlichen Ichs gewinnt das vernetzte Ich an Bedeutung. Dessen Leben wird leichter, da es sich nicht mehr damit belasten muss, alles mit sich allein auszumachen. Es ist das mit sich befreundete Selbst, das mit seiner inneren und äußeren Vernetzung den Übergang zu dieser neuen Form des Ich gelassen gestalten kann.

 

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